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Sozialarbeiterin in Altenholz soll
gehen Wie viel Hilfe brauchen Schulen? Altenholz.
Die Meldung sorgt in Altenholz für Kopfschütteln: Gerade erst hatte die
Gemeinde am Schulzentrum Stift und der Claus-Rixen-Schule
eine Schulsozialarbeiterin eingesetzt, da löst sie deren Stelle schon wieder
auf. Die Mehrheit der Gemeindepolitiker stimmte jetzt gegen eine Verlängerung. 16 Vertreter von CDU und
AWG hatten laut KN-Information in nicht öffentlicher Sitzung für das Aus
votiert, und dort sollen sogar Worte wie „ein bisschen Schwund ist immer“
gefallen sein. Neun Vertreter von SPD, FDP und Grünen sprachen sich dagegen
für eine unbefristete Verlängerung aus. Wolfgang Weiß (SPD) konnte sich
zuletzt auch mit einem Kompromissvorschlag, die Schulsozialarbeiterin
zumindest ein weiteres Jahr zu beschäftigen, nicht durchsetzen. Damit muss
Beate Stuchtey zum September einen neuen Job finden.
Unerhört!
Erschütternd!“, kommentierte der Rektor der Regionalschule, Thomas Haß, die
Entscheidung der Rathausmehrheit. Er könne zwar verstehen, dass die
Kommunalpolitik sparen muss. „Hier geht es aber um eine Arbeit, für die sich
Eltern vehement eingesetzt hatten. Wir brauchen Schulsozialarbeit tatsächlich
dringend, weil uns Lehrern die Zeit fehlt, auch noch Familienberatung zu
betreiben oder den Kontakt zum Jugendamt oder der Diakonie zu knüpfen.“ Lehrer
sollten sich vorrangig um einen differenzierten Unterricht bemühen, in dem
sowohl lernstarke als auch -schwache Kinder gefördert werden. Thomas Haß wies
darauf hin, dass in Altenholz immer mehr Kinder verhaltensauffällig seien. Im
Übrigen habe ihn die Politik nicht einmal nach seiner Meinung gefragt. Ähnlich
verärgert äußerte sich Peter Wenners, Direktor am
Gymnasium. „Natürlich wachsen die Probleme, je mehr Kinder an einem Standort
unterrichtet werden.“ Derzeit gehen in Stift etwa 1600 Kinder und Jugendliche
zur Schule. „Kinder wachsen anders als früher auf, ihre soziale Kompetenz ist
vielfach schlechter.“ Die Schulen bemühten sich zwar, diesen Bereich zu
fördern, Streitmoderatoren einzusetzen und Patensysteme zu entwickeln, bei
denen sich ältere Schüler um jüngere kümmern. „Aber wir sind Lehrer, keine
Sozialpädagogen.“ Erst kürzlich habe das Gymnasium Mobbingfälle
zu klären gehabt. „Da war Frau Stuchtey sehr
erfolgreich im Einsatz.“ Unterdessen
haben Vertreter von CDU und AWG ihre Entscheidung verteidigt. Der
Unions-Fraktionsvorsitzende Jürgen Schlüter verwies auf die Kosten und
darauf, dass bislang kein Konzept vorliege, wie man den Gemeindehaushalt
konsolidieren will. Jährlich 48000 Euro für Schulsozialarbeit auf
unbefristete Zeit seien eine Größenordnung, die sich die Gemeinde nicht mehr
ohne Weiteres leisten könne - so „gut, notwendig und begründet“ diese auch
sein möge. „Fakt ist, dass man die Arbeit bezahlen können muss. Wir konnten
und durften nicht anders entscheiden.“ Hans-Werner
Suhr (AWG) dagegen betonte, dass seine Fraktion
schon vor einem Jahr dagegen gewesen sei, die Stelle überhaupt zu schaffen.
„Wir sehen für Schulsozialarbeit in Stift schlicht keine Notwendigkeit.“
Seine Frau und er, beide langjährige Pädagogen, seien einmal wöchentlich
ehrenamtlich in der Englisch-Nachhilfe an einer Elmschenhagener
Gemeinschaftsschule tätig, wo 50 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben. „Man teilt sich dort mit
einer Nachbarschule eine halbe Schulsozialarbeiterstelle - und dort ist sie
wirklich nötig.“ In Altenholz dagegen seien die Probleme nach Auffassung der
AWG schulintern lösbar. „Sollte das anders sein, müssten uns die Schulleiter
konkrete Anlässe benennen. Dann sind wir sofort zur Kurskorrektur bereit.“ Wolfgang
Weiß (SPD) sprach von einem falschen Signal. Altenholz sei keine Insel der
Glücksseligen. Und um soziale Probleme zu lösen, benötige man qualifizierte
Kräfte. „Wir sehen mit Sorge, dass mancher Gemeindevertreter reflexartig auf
den Haushalt verweist. Investitionen in die Zukunft unserer Kinder sind doch
nötig - ich dachte, darin besteht gesellschaftlicher Konsens.“ Jens Ruge (FDP) brandmarkte das Votum als unverantwortlich.
„Man kann nicht eine Sache erst anschieben, um sie dann fallen zu lassen.
Jede Kommune unserer Größenordnung finanziert zu Recht inzwischen
Schulsozialarbeit.“ Zum Vergleich: Eckernförde richtet Anfang Mai zwei ganze
und zwei halbe Stellen ein und versorgt damit alle Schulen mit Sozialarbeit.
In Gettorf ist die AWO seit 2004 Kooperationspartner der Isarnwohld-Schule,
seit 2009 auch der Parkschule. Bürgermeister
Horst Striebich (CDU) bezeichnete die Altenholzer
Absage „auch menschlich als schwer verständlich“. Beate Stuchtey
habe ihre bisherige Position an einer Gaardener
Schule aufgegeben, „um bei uns neue Strukturen aufzubauen“. Das sei nun alles
hinfällig. |